Stoppt die aktuellen Neubaugebiete in Wietzenbruch!!!
 
Für Bestandsumbauten und neue, innovative Projekte, aber gegen die weitere Versiegelung von Naturflächen!

Klimaschutz 2022 - wie glaubwürdig ist die Celler Politik?

Klimaschutz ist DAS THEMA der letzten Jahre. Es betrifft alle Menschen auf dieser Welt. Zum Klimaschutz gehört ebenfalls die SPARSAME Versiegelung von Naturflächen.

Am 28. November 2019 hat der Rat der Stadt Celle nahezu einstimmig den Beschluss „Klima in Not“ gefasst. Dies hatte zur Folge, dass der Rat „ab sofort die Auswirkungen auf das Klima bei wichtigen Entscheidungen berücksichtigen wird und, wenn möglich, solche Lösungen bevorzugen (wird), die sich positiv auf den Klimaschutz auswirken“. In der Celler Politik wurde dieser Beschluss als eine "Selbstbindung des Rates" verstanden, der ebenso auf Verwaltungsebene wirkt und ihr den Auftrag erteilt, NUR SOLCHE Maßnahmen zu entwickeln, die diesem Beschluss entsprechen.

Wie passt dieser eigens gesetzte Beschluss mit der erneuten Versiegelung einer Naturfläche zusammen, um diese als Neubaugebiet zu bebauen? Wo sind die alternativen Projekte oder Ideen, die das Bauen auf bereits versiegelten Flächen der von Neubaugebieten bevorzugen? Ist der im Jahr 2019 selbst gefasste Beschluss der Celler Politik bereits wieder vergessen oder ist es einfach zu verlockend, weitere Neubaugebiete durch Investoren erschließen zu lassen, um so eventuell weitere Hannoveraner nach Celle zu locken, weil das Bauen in Großstädten bereits unbezahlbar geworden ist?

Auf der Seite der NIKiS (Niedersächsische Initiative für Klimaschutz in der Siedlungsentwicklung) wird genau dieses Thema aufgegriffen und mit Praxisbeispielen veranschaulicht. Hier findet man auch die Information, das bereits seit den 80er Jahren (!) eine BODENSCHUTZKLAUSEL Bestandteil des Baugesetzbuchs ist, durch die Kommunen aufgefordert werden, sparsam mit Grund und Boden umzugehen. "Denn der Verlust insbesondere von land- und forstwirtschaftlichen Flächen und die Ausdehnung von Städten und Gemeinden „auf die grüne Wiese“ haben negative ökologische, ökonomische und städtebauliche Folgen."

In einem Artikel auf der Homepage des Umweltbundesamtes (https://www.umweltbundesamt.de/themen/boden-landwirtschaft/flaechensparen-boeden-landschaften-erhalten#flachenverbrauch-in-deutschland-und-strategien-zum-flachensparen) aus dem Jahr 2020 heisst es: "Flächensparen heißt, weniger Flächen für Siedlungen und Verkehr zu beanspruchen und fruchtbare Böden zu erhalten. Mit innovativen Konzepten sollen Flächen umweltschonend und effizient genutzt werden. Im Fokus stehen die Flächen für Wohnen, öffentliche Zwecke, Handel, Gewerbe, Industrie, Freizeit und Sport sowie für den Land-, Wasser- und Luftverkehr."  Weiterhin: "Die Bundesregierung hat sich deshalb im Rahmen der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 die Neuinanspruchnahme von Flächen für Siedlungen und Verkehr auf unter 30 Hektar pro Tag zu verringern. Im Durchschnitt der Jahre 1993 bis 2003 lag der Flächenverbrauch noch bei 120 Hektar pro Tag."

Wie kann es also sein, dass die Celler Ratsherren und -frauen all diese jahrzehntelangen Bemühen und gebetsmühlenartigen Vorträge aus Ihren eigenen Reihen einfach ignorieren? Wie glaubwürdig ist eine Politik, die erst einen Beschluss zur Klimarettung verfasst, aber diesen nicht im Geringsten umsetzt?

Dass es in gewissen Abständen in der Vergangenheit neue Baugebiet brauchte, um den Bedarf an dem eigenen Häuschen mit Garten - auch dank der absolut minimalen Bauzinsen - zu realisieren, mag vielleicht noch nachvollziehbar sein. Wer aber den echten Wandel will, muss auch ENDLICH danach handeln!

Wietzenbruch hat erst vor 2 Jahren ein neues Baugebiet ("Am Regeberg") aus einer vorherigen Naturfläche erhalten, das bis heute (!) nicht einmal fertig bebaut ist und das keine 100 Meter Luftlinie von dem Baugebiet "Andertenhäusen" entfernt liegt. Hier versuchen bereits erste Käufer, die Grundstücke gewinnbringend und zu völligen Wucherpreisen im Internet spekulativ weiterzuveräußern. Zu Preisen, die sich keine Familie leisten kann. Und für solche Aktionen soll in unserem Gebiet noch mehr Grün verschwinden?!?!

Wietzenbruch hat im Gegensatz zu anderen Stadtteilen einen sehr hohen Anteil an Einfamilienhäusern, in denen aktuell bereits viele ältere Leute wohnen. WARUM? Weil es sich aktuell finanziell gar nicht lohnt, sein Haus gegen eine vielleicht kleinere, barrierefreie Wohnung zu tauschen! Wie sieht es in unserem Stadtteil also in 10 Jahren aus, wenn der Bau-Boom vielleicht ein Ende hat? Ein zugepflastertes Areal ohne jegliche Natur, dafür aber mit leerstehenden Häusern und Bauruinen, die nicht fertig gestellt wurden?!  

Der Rat der Stadt Celle besteht aus aktuell 43 Ratsfrauen und -herren aus den folgenden 10 Parteien: CDU (14 Ratsmitglieder), SPD (10 Ratsmitglieder), FDP (3 Ratsmitglieder), Grüne (6 Ratsmitglieder), Die Unabhängigen (3 Ratsmitglieder), AfD (3 Ratsmitglieder), Die Partei (1 Ratsmitglied), WG (1 Ratsmitglied), Zukunft Celle (1 Ratsmitglied), Die Linke (1 Ratsmitglied).

Ein Großteil dieser Mitglieder kommt also aus Parteien, die landes- und bundesweit die Politik unseres Landes bestimmen und in der Vergangenheit ebenfalls folgende Punkte zum Flächensparen vereinbart haben, um das KLIMA UND DIE NATUR zu schützen:

So heisst es im aktuellen Koalitionsvertrag von SPD, FDP und Grünen: 

"Wir denken ökonomische Entwicklung und ökologische Verantwortung zusammen. Es gilt, zu erhalten, was uns erhält und unsere Ressourcen zu schützen. Der Schutz von Umwelt und Natur ist daher essenzieller Bestandteil unseres politischen Handelns, die 17 Nachhaltigkeitsziele der VereintenNationen (SDG) sind Richtschnur unserer Politik."

Und auch die CDU ist um den Flächenfraß in Deutschland seit einigen Jahren besorgt, weshalb gerade hier auch Unverständnis herrscht, dass die erneute Bebauung einer Grünfläche in Celle gerade bei den Ratsmitgliedern der CDU eine hohe Zustimmung findet:

"Der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD für die 19. Legislaturperiode enthält einige Zielstellungen und Aktivitäten mit Relevanz für das Thema nachhaltige Siedlungsentwicklung und Flächensparen".

Und weiter:

"Es braucht verstärkte Anstrengungen, um das ursprünglich für das Jahr 2020 vorgesehene und inzwischen auf 2030 verschobene Ziel zu erreichen, das Wachstum der Siedlungs- und Verkehrsflächen auf 30 Hektar pro Tag zu begrenzen. Das machten die zu einem öffentlichen Fachgespräch des Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung zum Thema „Flächeninanspruchnahme – Flächen nachhaltig nutzen“ geladenen Experten unter Leitung von Dr. Andreas Lenz (CDU/CSU) am Mittwoch, 6. Mai 2020, deutlich."

Es bleibt am Ende die Frage, was der wirkliche Grund dafür sein kann, dass die Mitglieder vom Rat der Stadt Celle aktuell mehrheitlich dafür sind, erneut ein wundervolles, grünes Areal mit der Möglichkeit zur kostenfreien Nutzung von Freizeit dem Erdboden gleich zu machen. Ein Gebiet, das von Spaziergängern, Radfahrern, Kindern auf Skates oder Gassigängern gleichzeitig und regelmäßig genutzt wird und das gerade zusätzlich während der Pandemie viele Menschen genutzt haben, um der Eintönigkeit des Lockdowns zu entgehen und frische Luft ohne Autoabgase zu atmen. 

Wenn man davon ausgeht, dass diese Grundstücke gerade aufgrund ihrer Lage und ihrer geplanten Kosten von nicht ortsansässigen Bürgern genutzt werden, ist es umso beschämender, dass wir Anwohner in Wietzenbruch alle Nachteile dafür tragen sollen: Den Verlust von Naturflächen, die erneute jahrelange Belastung durch Baulärm und Bauverkehr und am Ende natürlich die massive Erhöhung des Verkehrsaufkommens sowohl hier im Gebiet als auch in der Fuhrberger Landstraße, der einzigen Straße, die nach Wietzenbruch rein und raus führt.


Wir fordern die Celler Politik daher auf, die aktuellen Grünflächen zu erhalten und auf bereits versiegelten Flächen alternative Projekte zu  entwickeln!